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Der Weg in ein eigenständiges Leben
Viele Menschen träumen davon, das Elternhaus irgendwann zu verlassen und ein selbstständiges Leben in einer eigenen Wohnung zu führen. Bei Menschen mit Behinderung ist das nicht anders. Viele sind nicht so recht glücklich mit den vorhandenen Angeboten und können sich ein Leben in einem Wohnheim nicht vorstellen. Zudem sind die vorhandenen Plätze knapp und mit langen Wartezeiten verbunden. Und so gut Unterbringung und Betreuung auch sein mögen - der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit steht oft im Vordergrund. Auch die Eltern machen sich natürlich Gedanken, wie sie ihre Angehörigen auf dem Weg in ein Leben außerhalb des Elternhauses am besten unterstützen können. Mit diesen Überlegungen haben sich einige Mitglieder des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. Duisburg beschäftigt und beschlossen, ein eigenes Wohnprojekt auf die Beine zu stellen. "Wohn(t)räume" haben sie es genannt - denn der Traum vom eigenständigen Leben braucht einen sicheren Raum, in dem es stattfinden kann.
Bei ersten Treffen wurden Wünsche und Vorstellungen ausgetauscht und andere Projekte besichtigt.
Das nächste Treffen findet statt am 31. Januar um 18:00 Uhr im Tageshaus des VKM!
Ein Gespräch mit Gabi Wasielewski, Georg Hanz und Karsten Münter, betroffenen Eltern und Vorstandsmitgliedern des VKM, macht deutlich, worum es in dem Projekt "Wohn(t)räume" geht:
Wie ist das Projekt "Wohn(t)räume" entstanden? Wer hatte die Idee?
Münter: Entstanden ist die Idee durch einen Bericht über die Stiftung "Cassiopeia". In Wesel hatten die Eltern des Vereins "Gemeinsam leben – gemeinsam lernen" ein bisher einmaliges Wohnprojekt ins Leben gerufen: den Bau eines Wohnhauses mit zwölf Appartements, in dem ihre auf Hilfe ambulanter Pflegedienste angewiesenen Kinder ein selbstbestimmtes Leben innerhalb einer Wohngemeinschaft führen können. Herr Severith, der beim VKM auch für das Ambulant Betreute Wohnen zuständig ist, hat das Thema dann aufgegriffen und ist bei einigen Eltern des Vereins, deren Kinder gerade volljährig geworden sind, auf großes Interesse gestoßen. Bei ihnen stellt sich natürlich nun die Frage, wie ihre Kinder ihr Leben zukünftig gestalten werden.
Wieviele Interessenten gibt es für das Projekt?
Wasielewski: Ganz am Anfang waren es ca. 20 Eltern, die Interesse am Projekt gezeigt haben. Nach einigen Treffen hat sich nun eine Gruppe von 7-10 Personen herauskristallisiert, die auch wirklich bereit sind, an der Verwirklichung des Projektes mitzuarbeiten. Es waren aber auch teilweise die jungen Menschen mit Behinderung selbst dabei und haben ihre Wünsche geäußert.
Wer leitet das Projekt "Wohn(t)räume"?
Wasielewski: Die Fäden laufen bei Herrn Severith zusammen. Es ist denkbar, eine Elterninitiative innerhalb des Vereins zu gründen, wobei der VKM natürlich Hilfestellungen anbieten würde. Der Motor aber sind wir selber. Sobald sich eine Gruppe für ein gemeinsames Projekt gebildet hat, kann der VKM als Anbieter für Ambulant Betreutes Wohnen unterstützend und beratend zur Seite stehen.
Wie alt sind die jungen Menschen, für die das Projekt gedacht ist?
Hanz: Das ist recht unterschiedlich. Meine Tochter ist 19.
Münter: Meine Tochter wird auch 19.
Wasielewski: Mein Sohn ist erst 14. Ich habe aber auch im Kopf, dass es einige Jahre dauert, bis ein solches Projekt verwirklicht werden kann und somit denke ich, es ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Es haben aber auch zwei junge Männer an den Treffen teilgenommen, die sind Mitte 20. Es ist ebenfalls denkbar, dass aus unseren Treffen zwei verschiedene Projekte entstehen, denn die Bedürfnisse der jungen Menschen mit geistigen und rein körperlichen Behinderungen sind teilweise recht unterschiedlich.
Haben Sie schon ähnliche Projekte besichtigt, um sich Anregungen für ein eigenes Vorhaben zu holen?
Hanz: Wir haben drei Projekte besichtigt. Einmal ein altes Pfarrhaus in Essen, das entsprechend umgebaut wurde. Dann waren wir in Mülheim a.d. Ruhr im "Fliedner-Dorf", wo 600 alte und junge Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben, in einer sehr ländlichen, idyllischen Umgebung.
Wasielewski: Und schließlich haben wir uns ein Projekt in Duisburg-Röttgersbach angeschaut, direkt am Revierpark Mattlerbusch. Hier hat der Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Alsbachtal vier Häuser mit barrierefreien Wohnungen für generationenübergreifendes und integratives Wohnen gebaut. Angeschlossen ist eine Begegnungsstätte mit Cafè. Das Ganze ist gerade fertig geworden, die Bewohner ziehen jetzt ganz neu dort ein. Vom Prinzip her hat uns dieses Konzept sehr überzeugt, auch wenn es für uns vielleicht eine Nummer zu groß ist.
Welche besonderen Voraussetzungen müßte der Wohnraum erfüllen?
Wasielewski: Auf jeden Fall muss es Barrierefreiheit geben. Für mich wäre es wichtig, dass jeder Bewohner ein ausreichend großes Einzelzimmer hat. Und optimal wäre auch ein eigenes Bad. Dazu müsste es eine Küche und Gemeinschaftsräume geben.
Gibt es schon eine Vorstellung davon, wie das Projekt finanziert werden soll?
Wasielewski: Es wird auf jeden Fall eine Mischform sein. Es ist zum Beispiel von Vorteil, wenn Rollstuhlfahrer unter den Bewohnern sind, um die Barrierefreiheit durchsetzen zu können. Und man braucht einen starken Träger. Den müssten wir allerdings noch finden. Im Prinzip könnte der VKM selber Träger sein.
Münter: Auch Stiftungen wie die Stiftung Wohlfahrtspflege oder die Stiftung Wohnhilfe könnten zur Finanzierung beitragen oder Förderer wie Aktion Mensch. Ohne wird es nicht gehen.
Ist das Wohnprojekt ausschließlich für Menschen mit Behinderung vorgesehen?
Wasielewski: Wir würden sicherlich eine Mischform bevorzugen. Die Idee des generationen-übergreifenden Wohnens ist besonders spannend. Familien mit Kindern, Senioren oder Senioren-Ehepaare und Menschen mit Behinderung können miteinander leben und sich gegenseitig helfen. Denn jeder hat Stärken und Schwächen. Das Mehrgenerationen-Modell hat Vorteile für alle Bewohner, weil man dann auch Angebote wie beispielsweise einen Hausnotruf realisieren kann.
Welche Wünsche und Vorstellungen haben denn die Projektteilnehmer?
Hanz: Es gab für einige zunächst die Idealvorstellung von einem Leben auf einem Bauernhof. Das ist aber schwierig zu realisieren. Man muss ja nicht nur ein geeignetes Haus finden, sondern auch einen Bauern, der das Projekt betreut. Und ich bin nicht sicher, dass die entsprechende Arbeit bei den jungen Menschen Gefallen findet.
Münter: Diese idealisierte Vorstellung hatte ich anfangs auch, bin dann aber umgeschwenkt zum Mehrgenerationen-Wohnen. Einmal weil ich mir das im Alsbachtal selbst ansehen konnte, aber auch weil ich mir das Wohnen und Arbeiten in ländlicher Lage doch problematisch vorstelle.
Wasielewski: Von einigen körperbehinderten jungen Männern kam auch der Wunsch, dass sie gerne unter sich bleiben möchten, so wie in einer WG. Und das auf jeden Fall in der Stadt.
Es wird sicherlich schwierig sein, die körperlich behinderten und die geistig behinderten jungen Menschen in ein Boot zu kriegen. Daher sind also auch verschiedene Projekte denkbar.
Ist es denn möglich, noch in das Projekt "Wohn(t)räume" einzusteigen?
Münter: Das ist natürlich jederzeit möglich! Wir suchen noch Interessenten, aber auch Leute, die Ideen zur Realisierung oder zur Finanzierung haben. Leute, die ein geeignetes Haus oder ein Grundstück vermitteln können.
Wann und wo findet denn das nächste Treffen statt?
Münter: Das nächste Treffen findet am 31. Januar um 18:00 Uhr im Tageshaus des VKM in der Neuenhofstr. 61 in Duisburg statt. Alle Interessenten sind herzlich dazu eingeladen. Es werden bei dieser Zusammenkunft noch einmal alle ihre Wünsche und Vorstellung äußern können. Und wir werden auch einen Turnus festlegen, in dem weitere Treffen dann regelmäßig stattfinden werden. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich eine feste Gruppe findet, damit wir unsere "Wohn(t)räume" in näherer Zukunft auch realisieren können.
Wer Fragen hat zu dem Projekt, kann sich jederzeit an Herrn Severith wenden unter Tel: (0203) 488 949-81 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . Auch Anfragen an die Interviewpartner werden gerne weitergeleitet.