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Stellungnahme zum Gedenktag der Opfer des Holocaust

Stellungnahme zum Gedenktag der Opfer des Holocaust

Mit den folgenden Worten gedenken wir des Holocaust, des Völkermordes an den europäischen Juden durch das nationalsozialistische Regime, dessen Machtübernahme sich am heutigen 30. Januar zum 90. Mal jährt:

Mehr als 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens verloren während des Zweiten Weltkrieges in Konzentrationslagern ihr Leben. Qualvoll erstickten sie in Gaskammern, gingen zugrunde an Erkrankungen durch auszehrende Zwangsarbeit, andere wurden erschossen oder zu Tode geprügelt – und zwar nicht, weil sie dieses oder jenes Unrechtes getan hatten, sondern allein, weil sie existierten.

Denn gemäß der Ideologie des Nationalsozialismus galten Jüd*innen von Geburt an als Menschen mit schlechtem Charakter, die durch Veranlagung insbesondere einer ausgeprägten Geschäftstüchtigkeit prinzipiell dazu neigten, sich und ihresgleichen zu übervorteilen und dementsprechend zum Schaden von Menschen anderweitiger Herkunft zu handeln. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er stilisierte Hitlers Propaganda “den Juden“ zum “Urheber allen Übels“ und somit auch alleinigen Verursacher gesellschaftlicher Probleme wie Inflation und Arbeitslosigkeit.

Durch die Nürnberger Rassegesetze von 1935 wurden jüdische Ärzte, Rechtsanwälte, Handwerker und Kaufleute mit Berufsverboten belegt, der Besitz von Unternehmen, Wertmetallen wie Gold und Silber, Schmuck, Edelsteinen und sonstigen Wertgegenständen untersagt. Beziehungen und Ehen zwischen Jüd*innen und “Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ wurden deshalb “zum Schutz des deutschen Blutes und der der deutschen Ehre“ verboten oder aufgelöst und fortan alles Jüdische als bedrohlich für den Fortbestand und somit die Zukunft des deutschen Volkes diffamiert.

Letzteres traf unabhängig von ihrer Herkunft auch und im Besondern auf Menschen mit Behinderung zu. Wer an einer geistigen, physischen oder seelischen Einschränkung litt, so argumentierten NS-Ideologen unter Berufung auf linientreue Mediziner, der könne der nationalsozialistischen Gesellschaft in keiner Weise nützlich sein, würde im Umkehrschluss durch Minderung der gesellschaftlichen Leistungsfähigkeit den Staat finanziell überlasten und die „arische“ Rasse, welche sämtlichen weiteren intellektuell wie körperlich überlegen sei, verunreinigen. Jegliches Leben mit einer oder mehreren Behinderungen wurde mittels der zugrunde gelegten eugenischen Lehre für lebensunwert erklärt, so dass ab Herbst 1939 zunächst ausschließlich Kinder, bald jedoch ebenso Frauen und Männer dem Euthanasieprogramm unter dem Decknamen “Aktion T4“ (Kürzel für Tiergartenstraße 4, Adresse zuständigen Zentraldienststelle in Berlin) zum Opfer fielen.

Der Begriff “Euthanasie“, der im Sinne eines Erlösens von chronischen beziehungsweise unheilbaren Erkrankungen in etwa mit „schöner Tod“ zu übersetzen ist, instrumentalisierten die Nationalsozialisten um zu einem Decknamen für das statistisch belegte, systematische Töten von behinderten Menschen in den hierfür ausersehenen Anstalten innerhalb des Deutschen Reiches sowie der angeschlossenen Gebiete.
Nicht selten wurden die Morde im Zuge von Menschenversuchen durch bewusstes Aushungern, das Injizieren überdosierter Medikamente wie auch durch Gaszufuhr verübt.

Da die genannten Praktiken trotz der Vorgabe strengster Geheimhaltung zum gesellschaftlichen Gesprächsthema geworden waren und insbesondere von Kirchenvertretern sogar öffentlichen Protest erfuhren, verfügte Hitler im August 1941 ihre sofortige Einstellung. Inoffiziell wurden sie allerdings von den mit der Umsetzung beauftragten Medizinern, Pflege- und Verwaltungskräften unter Ausweitung auf die Bevölkerung der deutschen Ostgebiete respektive insbesondere die zu biologischen Feinden erklärten Sinti und Roma bis Kriegsende fortgeführt und fungierten in diversen Hinsichten als Erprobungsverfahren für die Vernichtungsmaschinerien von Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg und weiterer Konzentrationslager. So kamen hierin Gaskammern und Krematorien zum Einsatz, die bereits für die “Aktion T4“ errichtet und verwendet worden waren. Durch das Euthanasieprogramm starben insgesamt mindestens 250.000 Menschen.

Gewiss entfernt sich jene grausame Vergangenheit historisch immer weiter und schuld ist inzwischen niemand mehr an dem, was damals war. Doch der Talmud, einer der wichtigsten Texte des rabbinischen Judentums, vergegenwärtigt uns, dass auch wir Verantwortung tragen für unser Verhalten und die Konsequenzen, die aus ihm erwachsen:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Es möge darum die Shoah, das größte gewesene Unglück, niemals vergessen werden, indem es uns durch achtsames Erinnern für immer bewusst bleibt – damit es nie wieder geschieht!

Thomas Bienen

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